DER GAST

Über das Projekt

Der Gast – Sidero & Chaliva spielt im Juli 1974 im Ruhrgebiet: Deutschland ist gerade Weltmeister und steckt in der Wirtschaftskrise, während Griechenland am Ende der Militärdiktatur steht und die Zypernkrise die Weltpolitik verändert. In diese angespannte Zeit fällt auch der Anwerbestopp – keine leichte Lage für Gastarbeiter im verqualmten Industrierevier. Im Zentrum stehen der griechische Gastarbeiter und politische Flüchtling Antonis und der versoffene Rainer, der ihn in den neuen Job bei einer Stahlfirma einarbeiten soll. Als der Chef beide zu Überstunden verdonnert, beginnt eine Nachtschicht, die mit „effektiver Arbeit“ nur am Rand zu tun hat: Die Tagesschau läuft ununterbrochen, Antonis denkt an Ehefrau und Heimat – Rainer an Bier und Iris. Ein atmosphärischer, verträumter Buddy-Film über Freundschaft und Heimweh, Kneipen und Fabriken, Gastarbeiter und Proletariat – inszeniert von Marco Papadopoulos. Gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW NRW) im Rahmen des Förderprogramms NEUE KÜNSTE RUHR (NKR).

Unser Ziel

Unser Ziel

Wir wollten keinen „politischen Lehrfilm“ drehen, sondern eine Geschichte, in der Politik als Hintergrundrauschen permanent mitläuft – so, wie sie es für die Figuren tut. Gleichzeitig geht es darum, gängige Griechenland-/Gastarbeiter-Klischees zu brechen und ein anderes Ruhrgebiet zu zeigen: rau, düster, manchmal komisch, immer menschlich. Der Film stellt Fragen nach Zugehörigkeit, Heimat und Lokalpatriotismus, ohne Antworten auszuschildern – und verbindet das Historische mit einer Gegenwart, in der Themen wie Flucht, Konflikte und Identität wieder sehr nah sind.

Herangehensweise

Herangehensweise

Die Inszenierung ist bewusst in der Filmsprache der 70er verankert: weniger „glatt“, mehr Textur, Zeit und Atmosphäre. Ein zentraler Bezugspunkt ist Robert Altman – dieses beobachtende Erzählen, in dem Szenen wirken dürfen, Figuren sich ins Wort fallen, und Humor und Melancholie nebeneinanderstehen (z. B. The Long Goodbye, Nashville, McCabe & Mrs. Miller). Dazu kommen Einflüsse aus dem New-Hollywood-Kino: Milieu, Schmutz, Alltag – eher gelebte Räume als „schöne Bilder“, wie man es etwa aus The Last Detail oder Dog Day Afternoon kennt. Als europäischer Kontrapunkt schwingt eine unromantische Nähe zu sozialen Milieus mit, wie man sie bei Fassbinder spürt. Ergebnis: ein Film, der sich anfühlt wie eine gefundene Nacht aus einer anderen Zeit – ohne Retro-Show, aber mit klarer Haltung.

Image
Image

Behind the Lens

Gedreht wurde auf ARRI Alexa Mini, kombiniert mit überwiegend vintage Angénieux-Zoom-Optiken. Zooms sind hier kein Effekt, sondern Erzählmittel: als leise Annäherung, als distanzierender Kommentar oder als beiläufiger Perspektivwechsel – ganz im Geist klassischer 70er-Jahre-Inszenierungen. Ergänzt wird das durch ausgewählte Fahrten auf Schienen: zurückhaltend, präzise gesetzt, damit die Szenen beobachtet wirken und die Figuren den Raum bekommen, den der Film braucht. Credits Regie: Marco Papadopoulos Beleuchtung: Tim Schubert Szenografie: Marten Conrad Hair & Make-up: Jana Erger

© 2026 Mink Joester. Alle Rechte vorbehalten.

Mink